Helfen ist einfach – Geben und Nehmen dank Open-Source

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In unserem Entwicklungsprozess nutzen wir meist Open Source-Bausteine, jedoch geht unser erarbeiteter Quellcode in der Regel am Ende eines Projektes ins Eigentum des Kunden über und wird nicht veröffentlicht. Nun konnten wir mittels eines Pro Bono Projektes wieder etwas zurückgeben und haben eine neue Open Source Anwendung veröffentlicht: Eine Tourbuch-App, mit welcher Hilfsgüter verwaltet werden können. In unserem Fall sind dies Hilfsgüter wie z.B. Schlafsäcke, Zelte und Isomatten, welche an bedürftige Menschen verteilt werden.

Wir wollten eine schlanke Bestell-App für Hilfsgüter entwickeln, um die Ausgabe und Verteilung von eben diesen optimal zu unterstützen. Die Berliner Obdachlosenhilfe (BOH) setzt diese App als Erstes während ihrer Hilfstouren auf der Straße ein, um ihre Gäste zu versorgen. Auf Tour kann es sehr stressig sein. Die Tourbuch-App muss dem standhalten und soll somit eine einfache Bedienung ermöglichen und Use-Cases bedarfsgerecht unterstützen.    

Die App besteht aus den folgenden Teilen:

  • Gästeverwaltung: In der Gästeverwaltung können Gäste gesucht, hinzugefügt, bearbeitet, gelöscht und zusammengeführt werden
  • Bestellung eines Gastes: Für jeden Gast können Bestellungen, Ausgaben und Sonderwünsche dokumentiert werden.
  • Bestellübersicht: In der Bestellübersicht können die Bestellungen der Gäste eingesehen und dabei gefiltert und sortiert werden.
  • Kommentarübersicht: In der Kommentarübersicht können die Sonderwünsche der Gäste eingesehen werden.
  • Administrative Einstellungen: Auf der nur per Passwort zugänglichen Einstellungs-Seite können die Produkte der Bestellungen sowie häufige Fragen und Antworten verwaltet werden.

Die Tourbuch-App soll mobil genutzt werden. Um plattformunabhängig zu sein, haben wir sie mit dem Cross-Plattform-Framework Flutter entwickelt, sodass neben Android zukünftig auch weitere Plattformen unterstützt werden können. In der ersten Version der Anwendung werden die Verwaltungsdaten lokal auf dem Smartphone in einer verschlüsselten Datenbank abgelegt. Durch diese einfache Datenverwaltung lässt sich die App leicht warten, betreiben und installieren. Jedoch limitiert dies die Benutzung auf nur ein Gerät, da keine Synchronisierung stattfindet. Zukünftig ist auch eine serverseitige Datenhaltung denkbar, welche diese Limitierung aufheben würde.

Ein Ziel der Anwendung ist es, die Informationseingabe so einfach wie möglich zu gestalten. Durch Sprachbarrieren o.ä. können Gäste schwer zu verstehen sein, so dass eine technische Unterstützung zur Vereinfachung der Abläufe gewünscht war. Das Problem der mehrfachen Erfassung von Gästen oder eine Mehrfachausgabe von Hilfsgütern an dieselbe Person soll minimiert werden. Es soll gewährleistet werden, dass die richtigen Gäste ihre Hilfsgüter erhalten und die Verteilung insgesamt fair abläuft.

Für die Wiedererkennung von Gästen und das damit verbundene Verhindern von redundanter Datenhaltung, haben wir eine Fuzzy-Search für die Namenssuche eingebaut. Bei dieser werden unterschiedliche Schreibweisen eines Namens akzeptiert. Die automatische Trefferliste liefert auch bei schwer verständlichen Namen eine gute Trefferauswahl, so dass man auch ähnlich klingende Namen und andere Schreibweisen abfangen kann. Sollte es dennoch zu einer Mehrfacheingabe von Gästen gekommen sein, kann man diese auf einfache Art zusammenführen. Gäste können bearbeitet und auch gelöscht werden.

Das Ergebnis der Fuzzy-Search mit Sortierung der Einträge nach Trefferwahrscheinlichkeit.

Für die Bestellung gibt es fest vorkonfigurierte Hilfsgüter, die per simplem Klick bestellt werden können. Der Bestellstatus und das Bestelldatum werden automatisch gesetzt. Sprachbarrieren können auch komplett umgangen werden, indem Hilfsgüter visuell als Bild dargestellt und per Klick vergrößert werden können. 

Die Ausgabe an Hilfsgütern soll in einem bestimmten Turnus erfolgen. Hierfür werden Hinweise eingeblendet, wenn die Frist bis zur Neubestellung noch nicht abgelaufen ist. Wichtig ist hier, dass der Nutzer dennoch die volle Kontrolle hat und nach Einzelfall entscheiden kann. Die App gibt nur unterstützende Hinweise!

In einer Übersicht können offene Bestellungen und Kommentare abgearbeitet werden. Wichtig ist, dass die Tabelle filterbar ist. Sofern es nicht ausreichend Hilfsgüter für alle wartenden Gäste gibt, möchte man sicherstellen, dass die Gäste, die am längsten warten, zuerst bedient werden.

Eine Übersicht der offenen Bestellungen pro Gast.

Ein schlanker Administrationsbereich bietet die Möglichkeit, neue Güter hinzuzufügen oder zu editieren. Hierbei können die Fristen festgelegt und neue Produktbilder hinterlegt werden. Im Administrationsbereich lassen sich auch FAQs zur Benutzung zu eintragen. In diesem Bereich ist es auch möglich ein Backup der Datenbank zu erstellen oder ein Backup anzuwenden.  

Das Projekt wurde innerhalb weniger Wochen, in enger Absprache mit der BOH umgesetzt. Ab Anfang 2024 soll die App von der BOH auf Tour eingesetzt werden und löst somit die Arbeit mit einer Excel-Liste ab. Die BOH ist ein unabhängiger und gemeinnütziger Verein, der sich ausschließlich selbst finanziert. Vor allem gemeinnützige Vereine sind auf Spenden und ehrenamtliche Arbeit angewiesen. Mit unserer Pro Bono App möchten wir einen Teil dazu beitragen und die Arbeit der Obdachlosenhilfe unterstützen und vereinfachen.

Damit das Projekt nicht nur der BOH hilft, sondern auch der Open-Source-Community, haben wir es auf Github unter der GPL-v3 Lizenz veröffentlicht. Das Projekt kann gerne von weiteren Organisationen oder Privatpersonen adaptiert und erweitert werden, um beispielsweise zukünftige Bedürfnisse und neue Anforderungen der BOH (oder weiterer Nutzer) zu erfüllen. Durch die GPL-Lizenz ist sichergestellt, dass alle Anpassungen immer an die Open-Source-Community zurückgespielt werden müssen und somit frei verfügbar sind. Insbesondere freuen wir uns natürlich, wenn weitere ehrenamtliche Vereine einen Bedarf an unserer App haben und diese für sich nutzbar machen können.

Das Titelbild wurde mit Hilfe von Canva AI-generiert und von uns weiter bearbeitet.

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