Der Blick aufs Große Ganze – Weiterbildung zur systemischen Organisationsberatung

Die meisten Fortbildungen sind nach ein paar Stunden oder Tagen vorbei, meine Kollegin Sarah dagegen hat eineinhalb Jahre lang an einer Schulung teilgenommen. Sie ist bei der AKQUINET tech@spree DOT-Leiterin, UX-Expertin und nun auch systemische Organisationsberaterin. Hier berichtet sie, was das genau bedeutet.

Kannst du mir etwas zur Schulung „systemischen Organisationsberatung“ von artop erzählen?

Die Schulung geht anderthalb Jahre, in meinem Fall haben wir im Herbst 2021 gestartet und sind jetzt im Frühjahr 2023 fertig geworden. Es ist also wirklich sehr intensiv. Der Aufbau ist so, dass man sich jeden Monat für 3 Tage zum Seminar trifft, für 8h, wie ein ganz normaler Arbeitstag. In den 3 Tagen wird ein Modul bearbeitet, zum Beispiel Teamdynamik, Grundlagen von Beratung, Teams und Gruppen entwickeln, Moderation und Workshop-Design, Führung beraten oder Organisationen verstehen. Die einzelnen Module bauen aufeinander auf, man erweitert sein Wissen also stetig und kann alles, was man vorher schon gehört und gelernt hat, dann immer auch weiter nutzen.

Sarah im Gespräch mit ihrer Kollegin beim Beratungsprojekt für die Feuerwehr Bochum.

Es gibt immer einen Theorie-Input, weil die Sachen teilweise neu sind, mit Systemtheorie von Niklas Luhmann zum Beispiel hatte ich mich vorher noch nicht beschäftigt. Ansonsten ist es sehr viel selber erleben, selber ausprobieren, zum Beispiel in Form von Kleingruppenübungen, da haben wir uns anhand echter Fälle gegenseitig beraten. Das ist ja eine Ausbildung für Berater*innen und du kannst dich am Ende schlecht so nennen, wenn du nicht auch die ganze Zeit irgendwie beraten und tatsächlich das Handwerk geübt hast.

Dazu kommt noch, dass jede*r von uns neben der Ausbildung ein Beratungsprojekt machen musste. Man hat sich immer zu zweit zusammengeschlossen und dann mit einem echten bestehenden Kunden oder einer Organisation ein Beratungsprojekt durchgeführt. Ich habe mir auch da etwas sehr Intensives ausgesucht: Wir waren ein Jahr lang in der Beratung bei der Feuerwehr Bochum.

Was ist systemische Organisationsberatung?

Das Besondere an dieser Art von Organisationsberatung ist, dass man sich das Gesamtsystem anguckt. Wenn es z.B. bei einer Führungskraft nicht so gut läuft, dann ist die Beratung und Unterstützung dieser bestimmten Person nur ein ganz kleiner Teil vom großen Ganzen.

Meist bringt es nichts, nur an einer Drehschraube was zu machen, sondern es muss entpersonifiziert und nach den Zusammenhängen geschaut werden.

Blick ins Protokoll des Workshops.

Was für Muster sind in dieser Organisation vorhanden, warum kann eine Führungskraft z.B. ihre Aufgaben nicht erfüllen? Vielleicht gibt es Gründe, warum die Person gar nicht führen kann, gar nicht die Möglichkeiten dazu hat. Die können z.B. in Strukturen, Erwartungshaltungen und Definitionen von Aufgaben und Rollen liegen.

Was hat dir dabei besonders gut gefallen?

Ich glaube, die leichtere Frage wäre, was mir nicht gefallen hat, da würde mir nämlich tatsächlich nicht so viel einfallen. Ich fand den Aufbau gut, also ich fand sinnvoll, wie die Module aufeinander aufgebaut haben. Ich fand die Gruppe total toll. Da kann man vielleicht auch Glück und Pech haben, aber in meinem Fall war in dieser Ausbildungsgruppe mit ungefähr 15 Leuten ein richtig schöner Umgang, ein richtig schöner Gruppenzusammenhalt. Man hat sich gegenseitig sehr angereichert, weil man ja auch ganz viel diskutiert. Man bringt eigene Fälle mit rein und berät sich gegenseitig. Dafür braucht es natürlich auch eine gewisse Vertrauensbasis. Ich habe mich tatsächlich immer auf die Wochen gefreut, in denen ich zur Ausbildung konnte.

Ich hatte dann immer eine kurze Arbeitswoche und konnte danach raus aus meinem Alltag, hatte eine Unterbrechung von meinem Daily Business. Ich hatte sehr das Gefühl, dass ich hier was für mich tue, um mich weiterzuentwickeln. Ich denke, dass es mir persönlich total viel gebracht hat. Ich war sehr traurig, dass die Ausbildung jetzt im März zu Ende war, von mir aus hätte es weitergehen können.

Tägliche Blumenstrauß für gute Atmosphäre

Wie wichtig ist dir Weiterbildung?

Weiterbildung ist total wichtig. Es ist für mich im Arbeitskontext einer der wichtigsten Punkte sich fortzubilden und Sachen zu machen und zu finden, die zu einem passen. Das hat zwei Aspekte: Zum einen natürlich berufliche Weiterbildung, also dass ich einfach besser werde in dem, was ich tue und mir neue Möglichkeiten und Felder öffne und erarbeite. Zum anderen gibt es auch immer einen persönlichen Aspekt, weil man Weiterbildung auch für sich macht, das finde ich sehr wichtig. Ich finde es gut, dass ich so eine sehr umfangreiche Ausbildung wie die zur systemischen Organisationsberatung machen kann und da auch Unterstützung von der Firma bekomme. Ich wurde z.B. auch ein bisschen freigestellt, weil es sehr, sehr arbeitsintensiv war. Also die Firma hat die Ausbildung bezahlt und dann habe ich auch noch ein bisschen Freistellung bekommen, neben den Fortbildungstagen, die man sowieso hat.

Man will ja nicht irgendwann festgefahren sein, sondern möchte immer auch gucken, was es noch gibt. Wie könnte ich Sachen noch lösen? Was könnte ich vielleicht noch machen? Was für Möglichkeiten habe ich noch? Und da hilft natürlich Weiterbildung.

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