Teil 1/3 unserer Interviewreihe zu Fortbildungen
„Fortbildungen sind Zeitverschwendung, nur Einsteiger brauchen die.“ Dieses und andere Vorurteile begegnen uns gelegentlich in der IT-Branche. Ich habe mit meiner Kollegin Andrea gesprochen, die solche Ansichten nicht teilt. Sie ist seit 15 Jahren bei der AKQUINET tech@spree tätig – aktuell als UX-Beraterin – und hat vielfältige Erfahrungen mit Weiterbildung gesammelt.
Wie viele deiner 10 Fortbildungstage nutzt du?
In letzter Zeit habe ich die Fortbildungstage komplett ausgenutzt. Es gab auch schon Jahre, in denen ich das nicht geschafft habe, aber an sich probiere ich es immer. Meistens sind das so ein bis zwei große Fortbildungen im Jahr.
Zusätzlich zur klassischen Schulung gibt es die unterschiedlichsten Wege, sich weiterzubilden.
Bei uns finden z.B. regelmäßig von Kolleg*innen gehaltene Vorträge zu ganz verschiedenen Themen statt, sogenannte Designfeste. Außerdem kann man zu selbstgewählten Themen recherchieren oder lesen. Ich hatte mal mit zwei Kolleg*innen zusammen einen Lesekreis, in dem wir ein ziemlich knackiges Buch kapitelweise zusammen gelesen und jede Woche an einem fixen Termin besprochen haben. Im Prinzip kannst du dir auch eine Woche von der Fortbildungszeit nehmen und ein kleines Projekt durchziehen, um an dem was zu lernen. Also jegliche Form von Selbststudium ist möglich. Außerdem gibt es Angebote wie Yoga in der Mittagspause, was mir extrem gut tut.
Welche Fortbildungen der letzten Jahre haben dir besonders gut gefallen?
Insgesamt habe ich schon wahnsinnig viele Fortbildungen gemacht, weil ich schon 15 Jahre dabei bin. Besonders gut war z.B. eine Schulung zum Thema „Verkaufen“ von Edutrainment, die ich mit ein paar Kolleg*innen besucht habe. Die hat mir richtig Spaß gemacht und war wirklich sehr, sehr unterhaltsam. Der Leiter hatte eine Doppelbegabung als Trainer und Comedian. Wir haben monatelang danach noch auf eine bestimmte Art „Ja genau“ gesagt und alle die dabei waren haben gelacht. Das war nämlich laut dem Trainer das Ziel beim Paraphrasieren, einer Technik für das aktive Zuhören: dass das Gegenüber „Ja genau“ sagt. Und dank seinem Comedy-Talent war jedes „Ja genau“ eben eine kleine Show. Insgesamt war es richtig cool, auch weil da sehr viel Rollenspiel dabei war. Das liegt ja nicht jedem, aber ich fand immer, dass man aus Rollenspielen extrem viel lernt. Das Gute dabei ist, dass durch den Spaß den man hat wirklich alles im Kopf bleibt. Nicht nur das aktive Zuhören, sondern auch die Verkaufs-Aspekte, obwohl es jetzt Jahre her ist.

Was zeichnet eine gute Trainer*in aus?
Eine gute Trainer*in geht auf jeden Fall auf die Situation der Teilnehmer*innen ein. Sie bezieht sich auf ihre Erwartungen und baut eine Beziehung zu ihnen auf. Auch eine gute Aufbereitung des Inhalts und ein gutes Tempo sind wichtig. Es darf nicht zu langsam sein, weil dann viele aussteigen, aber auch nicht zu schnell, weil man dann nichts behält und es sehr anstrengend wird. Alle Schulungen, die mir Spaß gemacht haben und an die ich mich auch heute noch erinnere, waren immer mit einem großen aktiven Anteil. Wir hatten z.B. mal ein Kommunikationstraining inhouse, bei dem die Trainerin auch viel mit Rollenspielen gearbeitet hat. Da ist ein krasser Flow entstanden, die Stimmung war extrem gut. Zu dem Training konntest du auch Situationen aus deinem Arbeitsalltag mitbringen, die dann gemeinsam aufgearbeitet wurden, das war auch sehr hilfreich.
Wenn die Teilnehmer*innen miteinander ins Gespräch gebracht werden und man am Geschehen beteiligt ist versteht man alles besser und es bleibt besser hängen.
Was für Fortbildungen hast du sonst noch über die Jahre besucht, die dir in Erinnerung geblieben sind?
Unvergesslich war für mich die Schulung zum Verhalten in Notfällen. Den Inhalt habe ich zum Glück noch nie gebraucht, aber sie hat mir nachhaltig die Angst genommen, im Ernstfall aktiv zu werden. Die hat all das, was ich gerade gesagt habe, was eine gute Schulung ausmacht, mitgebracht. Es ging darum, dass das, was man im Erste-Hilfe-Training für den Führerschein lernt, den meisten Leuten Angst macht, weil man es viel zu kompliziert vermittelt bekommt. Und dieser Trainer, ein Rettungssanitäter, hat es sich irgendwann zur Aufgabe gemacht hat, die Leute darüber aufzuklären, wie leicht es eigentlich ist, bei einem Herzstillstand zu helfen.
Wie wichtig ist dir Weiterbildung?
Extrem. Ich lese auch gerne ab und zu mal privat ein Buch zu Fachthemen, aber wenn der Arbeitgeber das gar nicht unterstützen würde und ich so etwas komplett in der Freizeit machen müsste, wäre es für mich schwierig mit zwei Kindern und knapp bemessener Zeit. Ich weiß nicht, ob fehlende Unterstützung für mich ein K.O.-Kriterium wäre, aber ein Arbeitgeber bei dem sonst alles stimmt ist ja wahrscheinlich auch positiv zu Weiterbildung eingestellt. Bei uns passt das schon zur Gesamthaltung. Ich war früher Projektleiterin, da hatte ich auch als Führungskraft die Sicht darauf, wie wichtig es ist, dass die Leute sich immer wieder mit verschiedenen Themen beschäftigen. Ideal ist natürlich, wenn man etwas lernt, was man sofort in den Arbeitsalltag übertragen kann. Aber auch wenn das nicht der Fall ist, finde ich dass Schulungen immer den Horizont erweitern und einem die Chance geben, sich mal abseits vom Projekt mit einem Thema zu beschäftigen. Da hat man den Kopf freier.
Ohne Weiterbildung würden wir in unserer Branche auch auf der Strecke bleiben, da geht es ja gar nicht ohne.

Dieser Beitrag hat dir gefallen? Schau dir auch die beiden weiteren Teile unserer Interviewreihe an:
JavaLand Insights mit Thieu und Frank (2/3)
Der Blick aufs Große Ganze – Weiterbildung zur systemischen Organisationsberaterin mit Sarah (3/3)

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