Die bisherige Infrastruktur im digitalen Gesundheitswesen in Deutschland erfährt derzeit eine grundlegende Modernisierung. Diese läuft unter dem Namen Telematikinfrastruktur 2.0, kurz TI 2.0 und verfolgt das Ziel, eine Plattform zu schaffen, die nicht nur stabil und sicher ist, sondern auch flexibel genug, um neue Technologien und Anwendungen zu integrieren.
Warum eine neue Generation notwendig ist
Die aktuelle Infrastruktur (TI 1.0) basiert auf Konzepten, die vor über einem Jahrzehnt entwickelt wurden. Seitdem haben sich die technischen Möglichkeiten und die Erwartungen der Nutzer stark verändert. Mobile Anwendungen, Cloud-Dienste und internationale Standards (z.B. FHIR, OAuth 2.0, ISO 27001) sind heute Stand der Technik und genau hier setzt die neue Architektur an.
Von TI 1.0 zu TI 2.0 – Was ändert sich konkret?
Die erste Generation der Telematikinfrastruktur war stark hardwareorientiert. Praxen, Apotheken und andere Leistungserbringer mussten spezielle Geräte wie Konnektoren und Kartenterminals einsetzen, um auf zentrale Dienste zuzugreifen. Das führte zu hohen Kosten, komplexen Installationen und aufwendigen Updates.
Die neue Generation verfolgt einen völlig anderen Ansatz:
- Keine proprietäre Hardware mehr –> stattdessen sichere Online-Dienste.
- Standortunabhängiger Zugriff –> auch mobil und flexibel.
- Zero Trust als Sicherheitsmodell –> jede Verbindung wird geprüft, jede Identität verifiziert.
Die zentralen Bausteine: TI‑Gateway, PoPP und Zero Trust
Damit die TI 2.0 in der Praxis funktioniert, setzt sie auf eine moderne, serviceorientierte Architektur, deren Kernkomponenten eng zusammenarbeiten. Das TI‑Gateway bildet dabei den sicheren Zugangspunkt zur Telematikinfrastruktur. Es ersetzt die bisherigen Hardware-Konnektoren vollständig und stellt standardisierte Online-Dienste bereit, über die Primärsysteme wie Praxissoftware oder Krankenhausinformationssysteme direkt kommunizieren können. Ergänzt wird dies durch den PoPP (Point of Patient Presence), der künftig dafür sorgt, dass Versicherte eindeutig identifiziert werden – beispielsweise über digitale Identitäten auf dem Smartphone. Die dritte Säule ist das Zero-Trust-Sicherheitsmodell, das sicherstellt, dass jede Aktion, jede Identität und jede Verbindung kontinuierlich geprüft wird.
Sicherheit als Kernprinzip
Das Zero-Trust-Sicherheitsmodell ist die Grundlage für die TI 2.0. Es basiert nicht mehr auf starren Sicherheitsgrenzen, z.B. durch VPN-Ansätze, sondern prüft jede Interaktion lokal anhand zentral gepflegter Zugriffspolitiken. So wird verhindert, dass ein einmal erteilter Zugang mit betrügerischer Absicht ausgenutzt wird. Das Zero-Trust-Prinzip sorgt für mehr Kontrolle und reduziert Risiken.
Es sorgt unter anderem dafür, dass:
- Identitäten geprüft werden, bevor Zugriff gewährt wird.
- Dienste abgesichert sind und nur berechtigte Akteure miteinander kommunizieren.
- Datenflüsse kontrolliert werden, um Missbrauch zu verhindern.
- Richtlinien automatisiert durchgesetzt werden, damit Sicherheit nicht vom Zufall abhängt.
Erstes Anwendungsszenario VSDM 2.0
Die Umstellung auf die neue Infrastruktur wird sich als erstes im Versichertenstammdaten-Management (VSDM) zeigen. Bislang wurden Stammdaten von der elektronischen Gesundheitskarte gelesen und mittels lokaler Hardware aktualisiert (VSDM 1.0). Künftig wird die Abfrage direkt bei den Krankenkassen über einen sicheren Online-Dienst erfolgen und Praxen und andere medizinische Einrichtungen können die Informationen direkt aus ihrem Primärsystem abrufen (VSDM 2.0).
Damit dieser Zugriff sicher ist, muss jede Verbindung und jede Identität überprüft werden. Hier greifen die Zero-Trust-Prinzipien: Jede Identität wird geprüft, jede Verbindung abgesichert. Dafür müssen Primärsysteme den ZETA Client integrieren, der die Schnittstelle zur TI 2.0 Dienstebene bildet und sicherstellt, das Anfragen aus einer vertrauenswürdigen Umgebungen kommen. Der ZETA Guard überprüft die Anfrage, wendet die Sicherheitsrichtlinien an und gibt den Zugriff auf die Versichertendaten nur frei, wenn alle Bedingungen erfüllt sind.
Stimmen aus dem Zero Trust Entwicklungsteam
Bei der tech@spree GmbH arbeiten wir aktuell in einem Konsortium der Umsetzung der Zero Trust Architektur, das bereits erwähnte Sicherheitsmodell der TI 2.0. Dazu entwickeln wir den ZETA Guard, die zentrale Bausteine für diese Architektur sind. Wir haben im Team darüber gesprochen, was wir persönlich an TI 2.0 besonders schätzen:
„Die Einbindung der Versicherten ist ein echter Fortschritt. Sie können endlich mit dem Smartphone teilnehmen, ganz ohne elektronische Gesundheitskarte oder komplizierte Hardware. Das offene Netz ermöglicht eine viel breitere Nutzung.“
(Immanuel Sims, Solution Architect ZETA Guard)
„Für mich ist die höhere Ausfallsicherheit ein echter Gewinn. Durch die dezentrale Architektur ist die TI 2.0 nicht mehr so anfällig wie bei TI 1.0. Und der Wegfall der Hardware-Konnektoren ist ein großer Pluspunkt.“
(Heinz Wilming, Geschäftsführer)
„Ich finde es gut, dass wir wegkommen von Karten und Konnektoren hin zu digitalen Identitäten. Das macht die Systeme viel mobiler und flexibler.“
(Kolja Koischwitz, Leiter Competence-Center Web Technologies)
„Die neue Architektur ist moderner und sicherer: Versicherte können über Smartphones teilnehmen, wir setzen auf Zero Trust statt auf einen Perimeter-Ansatz. Das Ganze ist wartbar, kostengünstig und wird zentral gesteuert – das ist ein echter Fortschritt.“
(Dr. Torsten Fink, Geschäftsführer)
Hinweis: Alle im Artikel enthaltenen Bilder wurden mit der Hilfe von KI erstellt.

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