Zero Trust in der TI 2.0: Warum sie alle sechs Säulen trägt – aus Sicht eines Mitentwicklers der Zero Trust Architektur

Die Telematikinfrastruktur (TI) 2.0 steht auf sechs Säulen, die den Weg für eine moderne, nutzerfreundliche und sichere digitale Gesundheitsinfrastruktur in Deutschland weisen. Als Team, das aktuell die Zero Trust Architektur mitentwickelt, möchten wir zeigen, warum Zero Trust nicht nur ein Sicherheitskonzept ist und erklären, wie sie jede der sechs Säulen stärkt. Außerdem geben wir einen kurzen Überblick zu den Komponenten, die wir aktuell mit entwickeln: ZETA Client und ZETA Guard.

Die sechs Säulen der TI-2.0 mit Zero Trust in der Mitte

ZETA Client & ZETA Guard

ZETA Client
Der ZETA Client ist eine Softwarekomponente, die in Primärsysteme und Versicherten-Apps integriert wird. Er stellt eine sichere Verbindung per ASL-Verschlüsselung (Additional Security Layer) zu dem ZETA Guard des jeweiligen Fachdiensts her.
Funktionen:

  • Sammeln aller Nachweise für die Integrität und Vertrauenswürdigkeit des Primärsystems
  • Durchführung der OAuth‑basierenden Anmeldeprozesse
  • Verwaltung von Sitzungen sowie der zugehörigen Access‑ und Refresh‑Tokens
  • Organisation und Pflege der Client‑Registrierungen

ZETA Guard
Der ZETA Guard schützt TI‑2.0‑Dienste vor unberechtigtem Zugriff. Er besteht aus zwei zentralen Bausteinen sowie unterstützenden Diensten:

Jeder TI‑2.0‑Dienst wird durch einen eigenen ZETA Guard geschützt, der in den Systemen des Fachdienst-Anbieters läuft.
Funktionen:

  • Durchsetzung aktueller Sicherheitsrichtlinien
  • Überwachung aller Zugriffe
  • Prüfung der Integrität von Clients und Diensten, um Angriffe oder Veränderungen zu erkennen

Die sechs Säulen im Überblick

Das 6-Säulen-Modell wurde von der gematik entwickelt und in einem Whitepaper zur TI 2.0 veröffentlicht. Zero Trust ist dabei kein isoliertes Sicherheitsfeature, sondern ein Prinzip, das sich in jede dieser Säulen einfügt und sie stärkt. Im Folgenden zeigen wir, wie Zero Trust pro Säule wirkt und welche Rolle die Komponenten ZETA Client und ZETA Guard dabei spielen.

1. Föderiertes Identitätsmanagement

Zero Trust setzt Identität vor Netzwerk: Zugriffe werden konsequent über eindeutige, überprüfbare Identitäten gesteuert – unabhängig davon, in welchem Netzwerk sich Nutzer, Dienste oder Geräte befinden. Der ZETA Client bindet sich nahtlos in föderierte Identity-Provider ein und erzwingt starke Authentifizierung sowie kontextbezogene Autorisierung. So wird die „Brücke“ zu digitalen Angeboten verlässlich und missbrauchsresistent.

2. Universelle Erreichbarkeit der Dienste

Wenn Dienste internetweit erreichbar sind, steigt die Angriffsfläche – und genau hier zahlt Zero Trust ein. Der ZETA Guard etabliert durchgehende Vertrauenskontrollen (Policy Enforcement) für jede Verbindung, statt „Perimeter-Vertrauen“ vorauszusetzen. Ergebnis: offene, standardisierte Zugänge ohne proprietäre Barrieren, aber mit konsistenter Überprüfung jeder Anfrage. Bei unterschiedlichen Bedrohungslagen und neuen Erkenntnissen können die Berechtigungspolitiken über eine zentrale Administration schnell reagieren.

3. Moderne Sicherheitsarchitektur

TI 2.0 löst sich von Insellösungen hin zu sicherheitszentrierter Architektur. Zero Trust bringt die Bausteine dafür: kontinuierliche Verifikation (never trust, always verify), Gerätezustand/Attestierung, Least Privilege und durchgängiges Monitoring. Der ZETA Client setzt diese Prinzipien nahe am Primärsystem um; der ZETA Guard bündelt Richtlinien, Durchsetzung und Telemetrie auf Service-Ebene – modular, auditierbar und erweiterbar.

4. Verteilte Dienste

Versorgungsprozesse verknüpfen Daten aus vielen Quellen. Zero Trust macht diese Verteilung beherrschbar, indem jede Interaktion explizit autorisiert und belegt wird: Wer greift auf was, wann, von welchem Gerät und in welchem Kontext zu? Durch Zero Trust werden Berechtigungen nachvollziehbar und widerrufbar (z. B. temporäre Tokens, kurzlebige Sitzungen, adaptive Richtlinien).

5. Interoperabilität und strukturierte Daten

Interoperabilität braucht klare Schnittstellen und klare Regeln, wer sie wann nutzen darf. Zero Trust ergänzt technische Standards um feingranulare Zugriffsrichtlinien (rollen-/attributbasiert), sodass strukturierte Daten sicher geteilt werden können, ohne Schatten- oder Nebenpfade zu öffnen. Für Primärsystemhersteller bedeutet das: sicherheitskonforme Nutzung von Fachdiensten, ohne die Integrationsfähigkeit zu verlieren.

6. Automatisiert verarbeitbares Regelwerk

Die TI 2.0 verlangt Richtlinien, die maschinenlesbar und durchsetzbar sind. Zero Trust liefert das: der Einsatz des modernen Standards OPA (Open Policy Agent), in dem Politiken über die Beschreibungssprache Rego definiert werden können, Telemetrie für Entscheidungen in Echtzeit und überprüfbare Durchsetzungspunkte.

Fazit

Zero Trust ist die Grundlage für die TI 2.0. Es sorgt für geprüfte Identitäten, sichere Dienste, kontrollierte Datenflüsse und automatisierte Richtlinien.

Für Primärsystemhersteller heißt das: Die Integration von Zero Trust ist Pflicht, um VSDM 2.0 und kommende TI-Dienste sicher umzusetzen. Mit ZETA Client und perspektivisch ZETA Guard bieten wir die Bausteine für eine stabile und gesetzeskonforme Lösung.

Hinweis: Alle im Artikel enthaltenen Bilder wurden mit der Hilfe von KI erstellt.

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